40 Bewegungsspiele für Senior:innen: im Sitzen, mit Ball, Tüchern und Schwungtuch
Spiele sind der Teil der Bewegungsstunde, bei dem niemand merkt, dass er trainiert. Hier sind 40 Spiele, die wir jede Woche in Pflegeeinrichtungen, Wohnformen und Tagesförderstätten anleiten – sortiert nach Material, alle im Sitzen möglich, mit Varianten für Rollstuhl und Demenz. Dazu: was ein gutes Bewegungsspiel ausmacht, welches Material sich lohnt und wann Spiele sogar Teil von Rehasport sind.
- Was ein gutes Bewegungsspiel ausmacht
- Vorbereitung und Sicherheit in fünf Minuten
- Spiele 1–8: im Sitzen ohne Material
- Spiele 9–16: mit Ball
- Spiele 17–22: mit Tüchern
- Spiele 23–28: mit dem Schwungtuch
- Spiele 29–33: mit Reifen und Stab
- Spiele 34–40: für Menschen mit Demenz
- So wird aus Spielen eine runde Stunde
- Bewegungsspiele und Rehasport
- Häufige Fragen
Was ein gutes Bewegungsspiel ausmacht
Nach ein paar hundert Gruppenstunden lässt sich das ziemlich klar sagen. Ein gutes Bewegungsspiel für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung hat vier Eigenschaften: Alle können mitmachen, auch wer langsamer ist oder im Rollstuhl sitzt. Die Regeln passen in zwei Sätze. Es gibt keinen Ausscheidemodus – wer „raus" ist, sitzt nur herum und verliert die Lust. Und es hat ein sichtbares Ziel: der Ball im Korb, das Tuch gefangen, das Lied erraten. Punkte und kleine Wettkämpfe sind erlaubt und beleben die Stunde, solange das Verlieren folgenlos bleibt und die Teams jede Woche neu gemischt werden.
Vorbereitung und Sicherheit in fünf Minuten
Stuhlkreis mit einer Armlänge Abstand, stabile Stühle ohne Rollen, Rollstühle gebremst, Getränke in Reichweite. Die wichtigste Regel bei allen Ballspielen: Heruntergefallene Bälle bleiben liegen, die Spielleitung hebt auf – das Bücken vom Stuhl ist die häufigste Sturzursache in Bewegungsstunden. Weiche Bälle statt harter, Luftballons für alle, die langsamer reagieren. Wie Sie Raum und Stühle im Detail vorbereiten, steht in unserem Sitzgymnastik-Leitfaden mit 25 Übungen.
Spiele 1–8: im Sitzen ohne Material
Für den Einstieg, für spontane Runden auf dem Wohnbereich und für alle Tage, an denen die Materialtasche woanders ist.
1. Kommando-Spiel
Die Spielleitung ruft Körperteile („Kopf!", „Schulter!", „Knie!"), alle tippen sie an. Wer mag, baut ein Schwindel-Kommando ein: Bei „Nase" wird das Ohr angesagt, aber die Nase gezeigt – die Gruppe muss auf das Wort hören, nicht auf die Hände.
2. Spiegelbild
Zwei Personen sitzen sich gegenüber. Eine macht langsame Bewegungen vor, die andere spiegelt sie gleichzeitig. Nach einer Minute wird gewechselt.
3. Wetterbericht
Jedes Wetter bekommt eine Bewegung: Sonne = Arme weit öffnen, Regen = mit den Fingern auf die Oberschenkel trommeln, Wind = Arme schwingen, Gewitter = mit den Füßen stampfen. Die Spielleitung erzählt einen Wetterbericht, die Gruppe macht das Wetter dazu.
4. Zahlen-Klatschen
Reihum wird laut gezählt. Bei jeder Zahl mit einer 3 (oder jeder durch 3 teilbaren Zahl, je nach Gruppe) wird nicht gesprochen, sondern geklatscht. Wer sich verzählt: alle lachen, es geht einfach weiter.
5. Ich packe meinen Koffer – mit Bewegung
Wie das bekannte Spiel, nur dass jeder Gegenstand eine Bewegung bekommt: der Hut (Hände auf den Kopf), die Badehose (Schwimmbewegung), der Fotoapparat (Klick-Geste). Die Gruppe wiederholt Wort und Bewegung der Reihe nach.
6. Bewegungs-Detektiv
Eine Person schließt kurz die Augen oder dreht sich weg. Die Gruppe einigt sich leise auf eine:n „Dirigent:in", der Bewegungen vorgibt und sie unauffällig wechselt. Der Detektiv rät, wer die Bewegungen steuert.
7. Stille Post mit Bewegung
Statt eines geflüsterten Worts wandert eine kleine Bewegungsfolge durch den Kreis: Jede:r zeigt sie der nächsten Person, alle anderen schauen weg. Am Ende wird verglichen, was aus der Folge geworden ist.
8. Sitztanz
Zu einem bekannten Lied gibt es eine feste kleine Choreografie aus drei, vier Bewegungen, die sich wiederholen: klatschen, schunkeln, Arme heben, auf die Schenkel patschen. Nach zwei Durchgängen kann die Gruppe Wunschbewegungen einbauen.
Spiele 9–16: mit Ball
Weiche Schaumstoffbälle, ein Luftballon als langsame Variante, ein Wäschekorb als Ziel – mehr braucht es nicht. Ballspiele trainieren Auge-Hand-Koordination, Reaktion und Armkraft, und sie bringen Kontakt in die Gruppe, weil der Ball von Mensch zu Mensch wandert.
9. Namensball
Der Ball wird im Kreis zugeworfen. Wer wirft, nennt den Namen der Person, die fangen soll. Zweite Runde: Wer fängt, nennt zusätzlich ein Wort zu einem Thema – Obstsorten, Städte, Schlagertitel.
10. Zielwurf in den Wäschekorb
Ein Wäschekorb steht in der Kreismitte, jede:r hat zwei, drei Würfe. Der Korb wandert näher zu denen, die weniger Kraft haben – so trifft jede:r mal.
11. Luftballon in der Luft halten
Die Gruppe spielt sich einen Luftballon zu und versucht, ihn möglichst lange in der Luft zu halten. Gemeinsam laut mitzählen. Der Rekord wird notiert und nächste Woche angegriffen.
12. Ballstafette
Zwei Teams sitzen in Reihen. Der Ball wird über den Kopf nach hinten durchgereicht, in der zweiten Runde seitlich mit Rumpfdrehung, in der dritten unten durch die gegrätschten Beine (wer das nicht kann, reicht seitlich weiter).
13. Sitzfußball
Ein großer Softball wird im Kreis mit den Füßen gepasst und gestoppt. Wer mag, benennt vorher, zu wem der Pass geht. Tore gibt es zwischen zwei Stuhlbeinen.
14. Rollende Fragen
Der Ball wird über den Boden zugerollt. Wer ihn bekommt, beantwortet eine leichte Frage: Lieblingsessen, erster Beruf, schönster Urlaub. Danach rollt er weiter.
15. Flaschenkegeln
Leere Plastikflaschen (mit etwas Wasser oder Sand beschwert) stehen als Kegel in der Mitte. Vom Stuhl aus wird gerollt, die Treffer werden gezählt. Jede:r hat zwei Würfe pro Runde.
16. Heißer Ball
Solange Musik läuft, wird der Ball zügig im Kreis weitergegeben. Stoppt die Musik, darf die Person mit dem Ball sich etwas wünschen: eine Übung für alle, ein Lied, die nächste Spielrunde. Niemand scheidet aus.
Sie möchten, dass jemand solche Stunden regelmäßig in Ihrer Einrichtung macht?
Genau dafür gibt es uns. Unsere angestellten Trainer:innen kommen jede Woche zum festen Termin in Wohnformen, Werkstätten, Tagesförderstätten und Pflegeeinrichtungen in Hamburg, Berlin und im Ruhrgebiet – mit Material, Musik und einem Programm, das zur Gruppe passt. Als Rehasport mit ärztlicher Verordnung kostet das weder die Einrichtung noch die Teilnehmenden etwas.
Spiele 17–22: mit Tüchern
Chiffontücher sind das unterschätzteste Material der Seniorenarbeit: Sie fallen langsam, sind bunt, wiegen nichts und niemand kann sich daran verletzen. Ideal für alle, bei denen Bälle zu schnell sind.
17. Werfen und Klatschen
Jede:r wirft das eigene Tuch hoch und fängt es. Dann: einmal klatschen, bevor gefangen wird. Dann zweimal. Wer schafft drei?
18. Kleine Jonglage
Mit zwei Tüchern: rechts hochwerfen, links fangen, links hochwerfen, rechts fangen – im Wechsel. Weil Tücher schweben, gelingt hier vielen zum ersten Mal im Leben eine „Jonglage".
19. Farbkommandos
Die Tücher haben verschiedene Farben. Die Spielleitung ruft: „Rot winkt!", „Blau hoch!", „Gelb versteckt sich hinter dem Rücken!". Wer die genannte Farbe hat, führt die Bewegung aus.
20. Tuch-Balance
Das Tuch liegt flach auf dem Handrücken. Der Arm bewegt sich langsam: zur Seite, nach oben, einmal im Kreis – ohne dass das Tuch fällt. Dann Handwechsel.
21. Tuchtanz
Zu ruhiger Musik schwingen alle ihr Tuch: große Achten, Wellen, Kreise über dem Kopf, von einer Hand in die andere. Die Spielleitung macht vor, die Gruppe variiert frei.
22. Tuch-Zuwurf im Paar
Zwei Personen werfen sich ein Tuch zu und vergrößern langsam den Abstand, so weit es im Sitzen geht. Variante: mit der schwächeren Hand werfen.
Spiele 23–28: mit dem Schwungtuch
Ab etwa acht Personen lohnt sich ein Schwungtuch (3 bis 5 Meter Durchmesser). Es ist das Material mit der stärksten Wirkung auf die Gruppe: Alle halten dasselbe Tuch, jede Bewegung ist gemeinsame Bewegung, und auch wer wenig Kraft hat, sieht sofort seinen Beitrag an den Wellen. Alle Spiele funktionieren im Sitzen.
23. Wellen
Alle greifen den Rand. Erst kleine, schnelle Wellen aus den Handgelenken, dann große, langsame aus den Schultern. Die Spielleitung sagt an: „Windstille … leichte Brise … Sturm!"
24. Popcorn
Drei bis fünf leichte Bälle liegen auf dem Tuch. Die Gruppe lässt sie durch schnelle Wellen springen wie Popcorn – ohne dass einer herunterfällt. Gemeinsames Zählen, wie lange es gelingt.
25. Ball auf Reisen
Ein einzelner Ball liegt auf dem Tuch und soll durch gezieltes Heben und Senken im Kreis wandern – einmal ganz herum, dann Richtungswechsel. Variante: den Ball zu einer bestimmten Person schicken.
26. Farbwechsel
Die Spielleitung ruft eine Tuchfarbe. Wer an einem Segment dieser Farbe sitzt, hebt seinen Abschnitt hoch, alle anderen halten ruhig. Dann zwei Farben, dann „alle!".
27. Pilz
Auf Kommando heben alle das Tuch hoch über den Kopf, sodass sich eine Kuppel bildet, und ziehen es dann langsam auf die Oberschenkel herunter. Unter der Kuppel wird es hell und luftig – ein Moment, der in jeder Gruppe für Staunen sorgt.
28. Schwingen im Takt
Zu einem Lied, das alle kennen, schwingt die Gruppe das Tuch im Takt – bei der Strophe sanft, beim Refrain groß. Wer textsicher ist, singt mit; das Tuch gibt auch denen einen Part, die nicht singen möchten.
Spiele 29–33: mit Reifen und Stab
Gymnastikreifen und Holzstäbe geben Bewegungen einen Rahmen – wörtlich. Sie eignen sich besonders für Übungsspiele zu zweit und für alles, was mit Zielen zu tun hat.
29. Reifenreise
Ein Reifen wandert durch den Kreis, ohne den Boden zu berühren: über den Arm, hinter den Kopf, zur Nachbarin. Wer mag, steigt mit beiden Armen „hindurch".
30. Zielwurf in den Reifen
Reifen liegen in unterschiedlichen Entfernungen auf dem Boden, jede:r wirft Sandsäckchen oder Tücher hinein. Nahe Reifen zählen einen Punkt, ferne drei.
31. Rudern zu zweit
Zwei Personen sitzen sich gegenüber und halten denselben Stab. Abwechselnd zieht eine, die andere lässt sich sanft nach vorn ziehen – wie beim Rudern. Langsam, im gemeinsamen Rhythmus.
32. Stab-Balance
Der Stab steht senkrecht auf der flachen Handfläche und wird balanciert. Erst mit Blick auf den Stab, dann versuchen Fortgeschrittene den Handwechsel.
33. Lenkrad
Der Reifen wird wie ein Lenkrad gehalten. Die Spielleitung erzählt eine Autofahrt: Kurven (Reifen drehen), Berg hoch (Reifen heben), bremsen (Reifen zum Bauch ziehen), hupen (drücken und rufen). Die Strecke darf die Gruppe bestimmen – zum Markt, an die Ostsee, ins Heimatdorf.
Spiele 34–40: für Menschen mit Demenz
Für Menschen mit Demenz gelten drei Anpassungen: bekannte Inhalte statt neuer Regeln, Vormachen statt Erklären, und kein Zeitdruck. Fehler werden nicht korrigiert – jede Bewegung, die kommt, ist richtig. Die folgenden Spiele funktionieren erfahrungsgemäß auch bei fortgeschrittener Demenz.
34. Liederraten mit Bewegung
Die Spielleitung summt oder spielt die ersten Takte eines Volkslieds oder Schlagers der 1950er und 60er. Die Gruppe rät, dann wird gemeinsam gesungen und dazu geschunkelt, geklatscht oder marschiert.
35. Alltag nachspielen
Vertraute Handgriffe werden groß und gemeinsam ausgeführt: Wäsche aufhängen, Teig kneten, Fenster putzen, Äpfel pflücken, Kaffee mahlen. Die Spielleitung erzählt dazu („Heute ist Waschtag …").
36. Sprichwörter in Bewegung
Die Spielleitung beginnt ein Sprichwort („Was du heute kannst besorgen …"), die Gruppe vervollständigt und klatscht dabei den Rhythmus der Silben. Jedes vollendete Sprichwort wird mit erhobenen Armen gefeiert.
37. Ballon mit Namen
Ein Luftballon wird sanft zugespielt; wer ihn bekommt, wird vorher laut mit Namen angesprochen. Der Ballon ist so langsam, dass niemand unter Druck gerät.
38. Bewegungsgeschichte: der Spaziergang
Die Spielleitung erzählt einen Spaziergang, die Gruppe macht mit: über die Wiese gehen (im Sitzen marschieren), unter dem Ast ducken, über den Bach steigen (Beine heben), Blumen pflücken, am Ende auf der Bank ausruhen und tief atmen.
39. Igelball-Runde
Jede:r rollt einen Igelball über die eigenen Oberschenkel und Arme, drückt ihn in den Händen, gibt ihn dann mit Blickkontakt weiter. Ruhige Musik dazu.
40. Welle zum Abschluss
Zum Ende reichen sich alle die Hände oder berühren die Armlehnen der Nachbarn. Eine sanfte „La-Ola" wandert einmal durch den Kreis: Arme heben, weitergeben, lächeln. Dann verabschiedet die Spielleitung jede:n mit Namen.
So wird aus Spielen eine runde Stunde
Spiele sind der Mittelteil, nicht die ganze Stunde. Bewährt hat sich: ruhiger Einstieg mit Namen und Musik, sieben Minuten Aufwärmen, ein Kraftblock, dann 10 bis 15 Minuten Spiele (eines mit Ball oder Tuch, eines mit der ganzen Gruppe), zum Schluss Dehnen und ein festes Abschlussritual. Den kompletten 45-Minuten-Aufbau mit Kraft- und Beweglichkeitsübungen finden Sie im Sitzgymnastik-Leitfaden. Zwei bis drei Spiele pro Stunde reichen – lieber ein Spiel in drei Varianten als fünf neue Regelwerke.
Bewegungsspiele und Rehasport
Bewegungsspiele sind nicht nur Unterhaltung, sondern offizieller Bestandteil des Rehabilitationssports: Die BAR-Rahmenvereinbarung nennt „Bewegungsspiele" ausdrücklich als anerkannte Rehabilitationssportart (Ziffer 5.1) und beschreibt Rehasport als Wirkung „mit den Mitteln des Sports, sportlich ausgerichteter Spiele und bewegungstherapeutischer Inhalte" (Ziffer 2.3). Kleine Wettkämpfe sind dabei erlaubt – Rehasport ist zwar kein Leistungssport, Leistungsvergleiche innerhalb der Übungsveranstaltung schließt die Vereinbarung aber ausdrücklich nicht aus (Ziffer 4.6).
Heißt praktisch: Eine Spielstunde wie oben beschrieben kann – mit ärztlicher Verordnung (Muster 56), anerkannter Gruppe und lizenzierter Übungsleitung – als Rehasport laufen, den die Krankenkasse bezahlt. In der Regel sind das 50 Übungseinheiten in 18 Monaten; bei bestimmten Erkrankungen und Behinderungen, darunter mittelgradige Intelligenzminderung und leichte bis mittelgradige demenzielle Syndrome, 120 Einheiten in 36 Monaten. Wie das geht, steht in Was ist Rehasport? und Rehasport beantragen.
Häufige Fragen
Wie viele Spiele passen in eine Stunde?
Welche Spiele gehen im Rollstuhl?
Was mache ich bei sehr unterschiedlichen Fähigkeiten in einer Gruppe?
Sind Wettkämpfe für Senior:innen in Ordnung?
Welches Material sollte eine Einrichtung anschaffen?
Wer darf solche Spielstunden anleiten?
Quellen
- Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR): Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining, Stand 26.11.2021, gültig ab 1. Januar 2022 – Ziffern 2.3, 4.4.1, 4.6, 5.1, 9.1, 9.3.
- § 64 Abs. 1 Nr. 3 und 4 SGB IX (Ergänzende Leistungen zur Rehabilitation: Rehabilitationssport und Funktionstraining).
- World Health Organization: WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour, Genf 2020 – Empfehlungen für Erwachsene ab 65 Jahren.
Bewegungsspiele als festes Wochenangebot – wir übernehmen das
Erstgespräch, Schnupperstunde, fester Termin mit derselben Trainerin oder demselben Trainer. Telefon 0152 0439 1344